Arkin Alptekin Advisory
Digitalisierung Gastronomie

Digitalisierung in der Gastronomie: Warum zu viele Systeme zum Problem werden

Digitalisierung soll Abläufe vereinfachen. Wenn Kasse, Webshop, Lieferplattformen, Payment und Fahrersteuerung getrennt arbeiten, entsteht stattdessen neue Komplexität.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Ein Restaurant wird nicht digitaler, nur weil mehr Software eingesetzt wird. Entscheidend ist, ob digitale Werkzeuge im Tagesgeschäft Zeit sparen, Fehler reduzieren und Informationen dort verfügbar machen, wo sie gebraucht werden. Gerade in der Gastronomie treffen jedoch häufig Kassensystem, eigener Webshop, Lieferplattformen, Zahlungsanbieter, Telefonbestellungen und Fahrersteuerung aufeinander.

Fünf Systeme für eine Bestellung sind kein Fortschritt

Wenn Mitarbeitende eine Bestellung mehrfach prüfen, Daten zwischen Geräten übertragen oder verschiedene Oberflächen parallel bedienen müssen, wurde ein analoges Problem lediglich digital verteilt. Das kostet Aufmerksamkeit in genau den Momenten, in denen Küche, Service und Auslieferung ohnehin unter Druck stehen.

Der bessere Ansatz: vom Prozess aus denken

Bevor ein neues Tool eingeführt wird, sollte der komplette Ablauf betrachtet werden: Wo entsteht die Bestellung? Wo werden Produktdaten gepflegt? Wie gelangt der Auftrag in die Küche? Wie wird bezahlt? Wer steuert Fahrer und Abrechnung? Erst danach lässt sich entscheiden, welche Systeme wirklich gebraucht werden und welche Schnittstellen sinnvoll sind.

Was gute Gastro-Tech leisten sollte

Gute Technologie verschwindet im besten Fall hinter einem einfachen Prozess. Stammdaten sollten möglichst zentral gepflegt werden, Bestellungen ohne Medienbruch ankommen und Verantwortliche einen konsistenten Blick auf relevante Daten erhalten. Nicht die Zahl der Funktionen entscheidet, sondern wie zuverlässig sie den Betrieb unterstützen.

Mein Blick auf Digitalisierung in der Gastronomie

Aus meiner Arbeit an der Schnittstelle von Gastronomie, Plattformgeschäft, SaaS und Vertrieb kenne ich sowohl die Perspektive der Betreiber als auch die Logik digitaler Anbieter. In der Beratung geht es deshalb nicht darum, möglichst viel Technologie einzusetzen, sondern eine Struktur zu schaffen, die zum jeweiligen Betrieb und Geschäftsmodell passt.

Was ich aus der Praxis mitnehme

Meine Perspektive darauf ist über viele Jahre zwischen Gastronomie, Plattformgeschäft und Gastro-Tech entstanden. Bei Lieferando habe ich erlebt, wie digitale Bestellplattformen den Restaurantmarkt verändern. Bei SIDES und heute im Umfeld moderner Gastro-Software sehe ich die andere Seite: Was passiert im Betrieb, wenn Kasse, Bestellung, Payment und Auslieferung wirklich zusammenspielen müssen. Genau deshalb bewerte ich Digitalisierung nicht nach der Zahl der Tools, sondern danach, ob sie den Alltag messbar einfacher macht.

Autor: Arkin Alptekin · Founder & Executive Advisor, Arkin Alptekin Advisory