Arkin Alptekin Advisory
Plattformstrategie Gastronomie

Lieferplattform oder eigener Webshop: Wem gehört eigentlich der Kunde?

Lieferplattformen schaffen Reichweite. Ein eigener Bestellkanal schafft direkten Kundenzugang. Für Gastronomiebetriebe ist nicht entweder-oder entscheidend, sondern die richtige strategische Balance.

Plattformen lösen ein echtes Problem

Lieferplattformen bringen Sichtbarkeit, Nachfrage und einen etablierten Bestellprozess. Gerade für neue oder wenig bekannte Betriebe kann diese Reichweite wertvoll sein. Deshalb wäre es zu einfach, Plattformen grundsätzlich als Gegner der Gastronomie zu betrachten.

Reichweite ist nicht dasselbe wie Kundenbeziehung

Strategisch relevant wird die Frage, wer die Beziehung zum Gast kontrolliert. Erfolgt der Kontakt ausschließlich über einen Marktplatz, bleiben Kommunikation, Wiederbestellung und ein Teil der Kundendaten in dessen Ökosystem. Ein eigener Kanal ermöglicht dagegen eine direktere Beziehung zur eigenen Marke.

Der eigene Webshop muss einen Grund liefern

Ein eigener Bestellkanal gewinnt nicht automatisch, nur weil er existiert. Er muss einfach auffindbar, schnell, mobil optimiert und im Betrieb zuverlässig sein. Dazu braucht es einen klaren Grund für die Direktbestellung: bessere Markenführung, passende Angebote, Loyalität oder schlicht einen sehr guten Bestellprozess.

Die richtige Balance statt Plattform-Bashing

Eine belastbare Strategie kann Plattformen für Neukundengewinnung und Reichweite nutzen und gleichzeitig den direkten Kanal stärken. Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt von Standort, Marke, Stammkundenanteil, Sortiment, Marge und operativen Fähigkeiten ab.

Die zentrale Frage

Nicht „Plattform oder eigener Shop?“ ist die wichtigste Frage, sondern: Welche Rolle soll jeder Kanal im Geschäftsmodell spielen? Wer diese Rollen bewusst definiert, kann Reichweite einkaufen, ohne die eigene Kundenbeziehung aus dem Blick zu verlieren.

Meine Erfahrung mit Plattformen und Direktgeschäft

Ich kenne diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven: aus dem Plattformgeschäft bei Lieferando und Delivery Hero ebenso wie aus dem Aufbau direkter digitaler Bestell- und Vertriebsmodelle im Gastro-Tech-Umfeld. Plattformen können enorme Reichweite schaffen. Gleichzeitig wird der eigene Kanal strategisch wichtig, wenn ein Betrieb Marke, Wiederbestellung und Kundenbeziehung stärker selbst steuern möchte. Für mich ist deshalb nicht Plattform gegen Webshop die richtige Debatte, sondern die bewusste Rolle jedes Kanals.

Autor: Arkin Alptekin · Founder & Executive Advisor, Arkin Alptekin Advisory